Michael Robotham: Down Unders Krimispezialist

Michael Robotham Porträt
Bild ©Tony Mott

Michael Robotham kam im November 1960 in der Stadt Casino in New South Wales, Australien, auf die Welt und arbeitete nach seiner Schulzeit erst als Journalist für die australische Zeitungen «The Sun» in Sydney. Einige Jahre später zog er nach England, wo er eine Stelle bei «The Mail on Sunday» annahm. Schliesslich nahm Michael Robotham 1993 seinen ersten Auftrag als Ghostwriter an und brachte 2002 das noch unvollständige Manuskript seines ersten eigenen Romans auf die Londoner Buchmesse. Dieses stiess sofort auf grosse Begeisterung bei den Verlagen und überzeugte auch als fertiges Werk. Heute lebt der Bestsellerautor mit seiner Familie wieder in Down Under.

Entdecken Sie jetzt Michael Robothams fesselnde Geschichten und erfahren Sie weiter unten im Interview spannende Einzelheiten zu seinem neuestem Buch.

Der neueste Spannungsmacher von Robotham

Band 1 der Cyrus-Haven-Reihe

Der Krimiautor im Interview über «Schweige still»

Cyrus Haven und Evie Cormac stehen im Mittelpunkt Ihres neuen Thrillers. Wer sind die beiden?
Cyrus Haven ist ein brillanter forensischer Psychologe. Evie Cormac ist ein Teenager, die in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche aufwächst. Cyrus soll als Berater fungieren, als es darum geht, ob Evie entlassen werden kann. Als er sie kennenlernt, entdeckt er ein Mädchen, das anders ist als alle, die er bisher getroffen hat: faszinierend und gefährlich zugleich – sie weiss, wenn jemand lügt, und Lügen spielen in Schweige still eine wichtige Rolle.

Gibt es Vorbilder für Evie?
Die Idee eines menschlichen Lügendetektors, eines Truth-Wizards hat mich seit vielen Jahren fasziniert: Seit ich ein Buch von Paul Ekman gelesen habe, einem US-amerikanischen Psychologen. Er ist weltweit führend darin, Lügen zu erkennen, indem er Mikro-Expressionen liest: Gesichtsausdrücke, die nur den Bruchteil einer
Sekunde andauern. Normalerweise haben die besten Truth-Wizards jahrelang in Gerichten oder Gefängnissen gearbeitet. Manchmal kommt aber auch jemand aus dem Nichts und kann sagen, wenn jemand lügt. Jemand wie Evie Cormac.

Welchen Hintergrund hat sie?
Das weiss niemand. Sechs Jahre zuvor wurde sie entdeckt, damals war sie noch ein Kind: Am Tatort eines furchtbaren Verbrechens hatte sie sich in einem geheimen Zimmer versteckt, war halb verhungert, schmutzig und weigerte sich, ihren Namen, ihr Alter, ihre Herkunft preiszugeben. Sie tauchte in keiner Vermisstendatei auf, und auch DNA-Untersuchungen konnten ihre Identität nicht klären. Sie erhielt einen neuen Namen und kam in die psychiatrische Anstalt, nachdem alle Versuche gescheitert waren, sie in einer Pflegefamilie unterzubringen. Jetzt ist sie vermutlich 17 und will vor Gericht erreichen, dass sie in die Selbstständigkeit entlassen wird.

Sie scheint Sie besonders zu faszinieren.
Das ist tatsächlich so, und sie ist die beste Romanfigur, über die ich jemals geschrieben habe. In den Worten von Cyrus Haven: Evie ist selbstzerstörerisch, hasst sich, ist anti-sozial und resistent gegen Kritik, und sie ist die selbstbewussteste, unerschrockenste, zuversichtlichste Person, die er jemals getroffen hat. Evie ist beschädigt durch ihre Vergangenheit, aber auch unglaublich stark und widerstandsfähig.

Schweige still spielt in Grossbritannien und erzählt von Cyrus und Evie, von ihren Lebensgeschichten. Zudem sind sie in einen aktuellen Fall involviert: Eine junge Eiskunstläuferin wurde ermordet. Es ist ein sehr komplexer Thriller – was ist für Sie zentral?
Schweige still ist insbesondere die Geschichte von zwei Mädchen. Die eine, Evie, ist eine zwanghafte Lügnerin, die weiß, wenn andere lügen. Die andere ist ein Eiskunstlauf-Star, der von olympischem Gold träumt. Auf einem abgelegenen Weg in Nottingham wird sie vergewaltigt und ermordet – und dann geht der Medienrummel los. Ich habe viele Jahre als Journalist gearbeitet und mich dafür interessiert, wie Medien mit bestimmten Verbrechen umgehen, insbesondere die Art, wie sie über Verbrechen berichten, in die Kinder, Teenager oder Frauen aus der Mittelschicht involviert sind.

Was ist in diesen Fällen besonders?
Vermisste weisse Frauen zum Beispiel erregen sehr viel mehr öffentliches Interesse als der gewaltsame Tod von schwarzen Prostituierten oder von Landstreichern. Ich untersuche diese Medienphänomene in Schweige still näher, indem ich über ein Teenager-Opfer schreibe, das zu einer Art Rotkäppchen-Figur stilisiert wird: auf einem abgelegenen Weg vom bösen Wolf geschnappt. Tatsächlich aber hatte der junge Eiskunstlauf-Star Geheimnisse, tatsächlich war ihre Geschichte eine andere als die, die sich alle nach ihrem Tod zusammenreimen. Darum geht es mir vor allem in dem neuen Buch: um Lügen und Geheimnisse.

Die Reihe mit Joe O'Loughlin & Vincent Ruiz

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